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Menschlichkeit

Die folgenden Texte über Menschenrechte haben Solinger Schülerinnen und Schüler geschrieben, die erst seit kurzem in unserer Stadt leben und die internationale Klasse des Mildred-Scheel-Berufskollegs besuchen. Am 9. November 2016, nach dem Gedenken an die Reichspogromnacht von 1938, in der auch in Solingen die Synagoge brannte und jüdische Mitbürger überfallen wurden, trugen die Jugendlichen ihre Texte im Theater und Konzerthaus Solingen vor. Hier setzen Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen jedes Jahr gemeinsam ein Zeichen gegen Hass und Rassismus und für ein friedliches Miteinander.

Das Kommunale Integrationszentrum der Stadt Solingen hat 2017 eine Broschüre mit Texten und Fotos der Jugendlichen herausgebracht. In Kooperation mit der Pfarreiengemeinschaft Solingen-West enstand außerdem eine Ausstellung. Die Hefte sind kostenlos beim Kommunalen Integrationszentrum, Friedrichstr. 46 erhältlich. Kontakt: Michael Roden, Tel.: 0212 / 250 80 911, E-Mail: m.roden@solingen.de

Die Sprachaufnahmen entstanden im Herbst 2016 in einem Workshop des Projekts „Wenn aus Fremden Freunde werden“ des Jump-In (AWO Aqua).


Das Recht auf freie Meinungsäußerung

Menschenrechte sind wichtig und müssen von allen Menschen beachtet werden. Natürlich ist es auch notwendig und grundlegend, dass man
Ernährung bekommt, eine Wohnung hat und nicht getötet wird. Aber bisher war ich noch nie in Lebensgefahr, hatte immer etwas zu essen, eine Wohnung zum Leben und die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen.

Was, wie ich finde, nicht so gut umgesetzt wurde in meinem Heimatland China, war das Recht, dass man seine Meinung frei äußern darf. Deswegen ist mir dieses Recht am wichtigsten. Die Regierung will manchmal nur die positive Ansicht über sich hören, aber das ist unmöglich und eigentlich nicht gut für die Entwicklung des Landes, weil es noch nicht perfekt ist.

Die Regierung muss die Meinung von allen Menschen respektieren und über die negativen Meinungen nachdenken, dann kann die Gesellschaft besser und demokratischer sein. Alles in allem ist mir das Recht, dass man sich frei äußern darf, am wichtigsten und ich hoffe sehr, dass die Regierung auch zustimmt.

Jiani aus China


Jeder Mensch hat das Recht, eine Schule zu besuchen

Mir ist dieses Menschenrecht am wichtigsten, weil die Bildung die größte Waffe ist, mit der wir die Welt verändern können. Die folgenden Sätze kommen von NELSON MANDELA:

Wenn jemand gebildet ist, wird er wissen, was gut für ihn und für andere Menschen ist. So wird er nicht die Regeln brechen, sondern sie respektieren!

Bildung ist die Basis für ein gutes Leben. Wenn jemand zur Schule geht, dann versteht und lernt er viel. Das größte Problem ist Unwissenheit. Viele Menschen verhalten sich unmenschlich, weil sie ungebildet sind. Wenn wir Unmenschlichkeit bekämpfen wollen, müssen wir die Ignoranz besiegen.

Ich spreche Englisch, Arabisch und ein bisschen Deutsch und kann so viele Kulturen und Gedanken verstehen, weil meine Sprachkenntnisse mir helfen, viele Informationen aufzunehmen. Ohne Bildung kann ich nicht denken. Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken.

Mohammed aus Somalia


Das Recht auf Freiheit

Die Freiheit ist mir das wichtigste Menschenrecht, denn wenn es in einem Land keine Freiheit gibt, wird in diesem Land kein Frieden und
keine Sicherheit herrschen. Außerdem werden wir Konflikte und Rassismus zwischen den Menschen sehen, wenn es die Diskriminierung und keine Gleichberechtigung durch die Regierung des Landes gibt.

Wegen der politischen Gründe und der fehlerhaften Verwaltung hatten einige Staaten Krieg und viele Leute starben oder wurden vertrieben. Ich habe auch mein Heimatland Syrien verlassen, weil es dort keine Sicherheit und Freiheit mehr gibt.

In Syrien ist seit ungefähr 5 Jahren Krieg. Niemand konnte nach draußen oder in die Schule gehen. Es gibt auch Entführungen und viele Leute sind obdachlos geworden. Deshalb konnte ich nicht mehr in Syrien bleiben. Zum Schluss meine ich, dass die Meinungsfreiheit respektiert werden muss. Ohne Meinungsaustausch gibt es keine Wahrheit.

Dilan aus Syrien


Jeder Mensch hat das Recht, eine Schule zu besuchen

Alle Kinder sollen gemeinsam zur Schule gehen dürfen, egal ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Lernen ist für alle Menschen wichtig. Auch wenn die Eltern wenig Geld haben.

Alle Menschen müssen die gleichen Bildungsmöglichkeiten haben. Jeder Mensch kann etwas lernen und sollte zur Schule gehen dürfen. Lernen kann ein gutes Leben in der Zukunft schaffen. Kein Mensch wird ausgeschlossen, egal ob man eine Behinderung hat, arm ist oder aus einem anderen Land kommt.

Ein Beispiel: In Entwicklungsländern können viele Kinder nicht die Schule besuchen, weil die Gebühr sehr hoch ist. Es gibt die Privatschule und die staatliche Schule. In beiden Schulen muss man Geld bezahlen für die Schuluniform und den Schulbedarf. Die staatliche Schule kostet viel weniger Geld als die Privatschule. Trotzdem können viele Kinder nicht die Schule besuchen.

Die Bildung von Kindern hat Spiralwirkung. Das bedeutet, dass die Eltern, die selbst zur Schule gehen durften, auch dafür sorgen, dass ihre eigenen Kinder besser gebildet werden und bereit für die Zukunft sind. Ich finde, dass die Schule sehr wichtig in unserem Leben ist, weil man ohne Schule nicht seine Zukunft planen kann.

Mariam aus dem Libanon


Fotos: Daniela Tobias, photozeichen.de

Marmelade für Menschenrechte

WDuerpel_4253Noch bis Sonntag Abend gibt es in der Amnesty-Hütte auf dem Ohligser Weihnachtsdürpel im Wittenbergpark Quitte-Prosecco, Pflaume-Rum, Johannisbeer-Raki im Marmeladenglas, handgerührt für Menschenrechte! Außerdem Gebäck, nelkengespickte Orangen, den beliebten Amnesty-Jahresplaner, Musik-CD und aktuelle Petition, die auf Eure Unterschrift warten.

Besonders ans Herz legen möchten wir als Weihnachtsgeschenktip die Benefiz-CD „Displaced, Songs that can’t replace home“, die die NDR Big Band zusammen mit Roger Cicero, Laith Al-Deen und anderen Künstlern für die Amnesty-Flüchtlingshilfe eingespielt hat. Sie kann übrigens über jede Buchhandlung um die Ecke bestellt werden. Think global, buy local!

Indonesien erlesen

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Silke Höttges liest aus Andrea Hiratas Roman „Die Regenbogentruppe“, übersetzt von Peter Sternagel, © Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag München 2013

Eine leicht überforderte Mutter, die den ersten Schultag ihres Sohnes vorbereitet: Schultornister, Schreibzeug, Schultüte, Sportsachen, Bastelsachen, usw. und das alles bitte nicht schwerer als 10% des Körpergewichts – gut, dass der Junge etwas übergewichtig ist – macht summa summarum knapp 400 €. Geht doch.

Diesen überraschenden Kontrast wählte Silke Höttges als Einstieg in die Lesung aus dem Roman „Die Regenbogentruppe“ des indonesischen Autors Andrea Hirata. Dort fehlt es an fast allem, insbesondere am zehnten Schüler, der am ersten Schultag für den Fortbestand der Dorfschule Voraussetzung ist. Aber er kommt, wenn auch mit Verspätung. Woran es den Schülern jedoch niemals mangelt sind Wissensdurst und Freude am Lernen.

Silke Höttges wählte Szenen aus, die am Beispiel des kleinen Lintang die Entbehrungen verdeutlichen, die der Junge und seine bitterarme Familie auf sich nehmen, um ihm den Traum vom Lernen zu ermöglichen. Auch die Lehrerin, die unermüdlich versucht ihre Schüler zu begeistern, spielt eine zentrale Rolle in dem Roman und ist das Alter Ego von Andrea Hirata, dessen Lebensmotto „Do I inspire you?“ in Indonesien großen Wiederhall findet.

Die Amnesty-Gruppe verband die Lesesequenzen mit Informationen über Indonesien, die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Inselstaat und über den Fall von Johan Teterissa, den unsere Gruppe seit 2009 betreut.

Die Lesung fand auch aus Anlass der Frankfurter Buchmesse statt, bei der in diesem Jahr Indonesien Gastland ist. Zahlreiche Bücher indonesischer Autoren wurden deswegen jetzt ins Deutsche übersetzt.

Am 1. Dezember zeigen wir in unserer Reihe „Kino für Menschenrechte“ den Dokumentarfilm „The act of killing“, den Joshua Oppenheimer 2012 in Indonesien mit den Mördern des Militärputschs von 1965 gedreht hat. Derzeit ist der Nachfolgefilm „The look of silence“ in den Kinos, der die Perspektive der Opfer einnimmt. Wir freuen uns auf einen spannenden Abend und den Besuch von Karl Mertes von der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft Köln, die bereits seit 1950 Brücken nach Südostasien schlägt.

Rosen für El Salvador

Foto: Christian Beier
Foto: Christian Beier

Tja, bei diesem Lächeln waren die Rosen für die Damen von Welt am Sonntag natürlich ruckzuck weg. Christian Beier vom Solinger Tageblatt kam glücklicherweise früh genug vorbei, um noch ein paar abzulichten. Das „Frühlingserwachen“ der Ohligser Werbegemeinschaft bot bei Supersonnenwetter mal wieder eine tolle Kulisse für unseren Infostand am Weltfrauentag, die Fußgängerzone war rappelvoll. Wer sich vor Ort nicht entscheiden konnte die Petition gegen das absolute Abtreibungsverbot in El Salvador zu unterschreiben, kann das gerne online nachholen:

El Salvadors absolutes Abtreibungsverbot aufheben

Schön auch, dass unser Rollup für Johan Teterissa für Aufmerksamkeit sorgte. Einige Passanten sprachen uns an und fragten nach dem Stand der Dinge. Leider entwickelt sich die Situation unter dem neuen indonesischen Präsidenten und Hoffnungsträger Joko Widodo nicht wie von Menschenrechtsorganisationen erhofft. Momentan zielt er vor allem auf die Innenpolitik ab und versucht als starker Mann gegen Korruption Härte zu zeigen, was zwar prinzipiell begrüßenswert ist, aber auch dazu führt, dass die Situation politischer Gefangener wie Johan Teterissa ganz unten auf seiner Agenda stehen. Aber wir bleiben natürlich dran!

Lasst uns Freunde sein

Das diesjährige Motto des Kultur- und Umweltfests „Leben braucht Vielfalt“ war ein Aufruf, den Mevlüde Genc kurz nach dem Brandanschlag auf ihre Familie vor 20 Jahren an alle Menschen richtete: „Lasst uns Freunde sein!“

Wir haben dieses Motto zum Anlass genommen, wieder einmal Post für Johan zu sammeln. Johan Teterissa ist ein Häftling aus Indonesien, den wir seit mehreren Jahren „betreuen“, das heisst, die Regierung immer wieder daran erinnern, dass Amnesty International den ehemaligen Lehrer für einen politischen Gefangenen hält, der lediglich sein Recht auf freie Meinungsäußerung in friedlicher Weise wahrgenommen hat.

Danke an 34 Unterzeichner, die sich für Johan mit ihrer Postkarte eingesetzt haben!

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Außerdem haben wir zwei weitere Banner für die Aktion “500 Nofreteten für Ägyptens Zukunft” bemalt, die im Januar aus ganz Deutschland in Berlin zu einer Kundgebung zusammengebracht werden, um auf die Situation der Frauenrechte in Ägypten aufmerksam zu machen. Danke auch hier an alle fleissigen Maler!

Wir sind Solingen

I had a dream
I had a dream – Christiane liest Martin Luther King.

Auch die Solinger Amnesty-Gruppe war am 28.5. dabei, als sich über 40 Initiativen, Vereine und Institutionen im Gedenken an den 20. Jahrestag des Brandanschlags unter dem Motto „Wir sind Solingen“ im Theater trafen, um ihr Engagement für Toleranz und Vielfalt in Solingen vorzustellen. Am Bühnenprogramm beteiligten wir uns mit einem Vortag von Martin Luther Kings berühmter Rede „Ich habe einen Traum“. Außerdem wurde an unserem Infostand ein Bild der Künstlerin Lena Lund zu Gunsten von „SOS Rassismus“ und Amnesty International versteigert. Im Anschluss an die Veranstaltung zogen mehrere hundert Besucher mit Mitgliedern der Familie Genç zum Ort des Brandanschlags, um dort der Toten zu gedenken und als Zeichen der Anteilnahme Rosen niederzulegen.

Gerade unter den aktuellen Eindrücken rund um die Mordserie des NSU wird deutlich, wie wichtig es jederzeit ist, auf rassistische Tendenzen aufmerksam zu reagieren und deutlich Stellung zu beziehen, wenn Menschenrechte missachtet werden. Genauso wenig dürfen wir aus den Augen verlieren, dass wir immer wieder Schritte des Aufeinanderzugehens unternehmen müssen. „Birakin arkadaş olalim! – Laßt uns Freunde sein!“ Diese Botschaft von Mevlüde Genç trugen am Dienstag zahlreiche Besucher auf T-Shirts nach Hause.

P.S.: Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle auch an den verdienten Preisträger des „Silbernen Schuhs„, Heinz Siering. Die Auszeichnung für Zivilcourage wurde im Rahmen der offiziellen Gedenkveranstaltung der Stadt Solingen am 29.5. an den Leiter der Jugendhilfewerkstatt vergeben. Heinz Siering und sein Team haben im vergangenen Jahr auch für uns bei der Gestaltung des Pfads der Menschenrechte hervorragende Arbeit geleistet.