Amnesty Solingen sendet Weihnachtsgrüße nach Indonesien

Amnesty-Stand auf dem Weihnachtsdürpel 2011

Bei unserem diesjährigen Stand auf dem Ohligser Weihnachtsdürpel verkauften wir nicht nur selbstgemachte Marmelade und Plätzchen (fast restlos!), sondern sammelten auch knapp 60 Unterschriften unter den Appel zur Freilassung von Johan Teterissa, „unseres“ politischen Gefangenen in Indonesien. Der Appell richtet sich an den  indonesischen Justizminister. Johan Teterissa selbst wird von uns mehrere Weihnachtskarten erhalten, die ihn daran erinnern sollen, dass er nicht vergessen ist. Dank der Indonesisch-Kenntnisse eines unserer Gruppenmitglieder stellt die Sprache hierbei kein Hindernis dar. Auch die Besucher an unserer Weihnachtshütte hatten Gelegenheit, sich den Grüßen anzuschließen.Symbolisch konnten die „Gefängnismauern“ aus Dominosteinen Stück für Stück abgetragen werden: Hoffentlich ein gutes Zeichen…

Befreit Johan!
Amnesty auf dem Weihnachtsdürpel 2011

Amnesty auf dem Ohligser Weihnachtsdürpel 2011

Auch in diesem Jahr wird unsere Gruppe wieder mit einem Stand auf dem Ohligser Weihnachtsdürpel vertreten sein: Freitag, 2. Dezember bis Sonntag, 4. Dezember.
Wir werden wieder unsere beliebten selbstgemachten Plätzchen und Marmeladen anbieten. Außerdem wollen wir mit einer Aktion auf das Schicksal politischer Gefangener aufmerksam machen.

Unser Weihnachtsdürpelstand 2008
Unser Weihnachtsdürpelstand 2008


Presseberichte über Amnesty-Feier

Pressebericht in der Solinger Morgenpost, 15.11.2011:
Artikel in der Solinger Morgenpost 15.11.2011

Pressebericht im Solinger Tageblatt, 15.11.2011:
Amnesty in Solingen: „Nicht müde zu kämpfen“

Grundgesetz gegen Menschenrechte? Mit spitzfindigen Gegenüberstellungen sowie pointierten, ausgewählten Texten und osteuropäischer Musik feierte die Solinger Amnesty-Gruppe am Sonntagabend das 50-jährige Bestehen von Amnesty International und hatte aus diesem Anlass ins Gründer- und Technologiezentrum geladen.

Artikel Solinger Tageblatt, 15.11.2011
Foto: Andreas Horn, Solinger Tageblatt

Gelungene Geburtstagsfeier für Amnesty

Die Gruppe Odessa-Projekt begeisterte das Publikum
Die Gruppe Odessa-Projekt begeisterte das Publikum

Der 50. Geburtstag von Amnesty International wurde auch in Solingen gefeiert:
Am 13. November 2011 im gutbesuchten Gründer- und Technologiezentrum Solingen. Die Schauspieler Dajana Berkenkopf und Uwe Dahlhaus („Ensemble Profan„) hielten eine thematische Lesung, das Odessa Projekt sorgte mit Klezmer- und Balkanklängen für Stimmung.
Zunächst führten die beiden Schauspieler das Publikum auf unterhaltsame Art durch die Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Der Dialog sorgte für nachdenkliche, aber auch erheiterte Reaktionen. Es folgten Gedichte und Kurzgeschichten zum Thema Menschlichkeit, Gefangenschaft und Hoffnung, im Wechsel mit mazedonischen, jiddischen und rumänischen Liedern und Tänzen.
Zum Abschluss trugen Mitglieder der Solinger Amnesty-Gruppe Zitate von Menschenrechtsverteidigern verschiedener Länder vor, die Aufgrund des Einsatzes der Organisation aus der Haft entlassen wurden.
In Erinnerung an den „Toast auf die Freiheit“, der zwei portugiesische Studenten 1961 ins Gefängnis brachte und damit den Anstoß zur Gründung Amnestys gab, stießen alle zum Abschluss miteinander an. Es entstanden noch zahlreiche Gespräche, alte Bekannte wurden begrüßt und neue Kontakte geknüpft. Ein gelungener Abend, Dank der begeisterten Besucher mit gut gefüllten Spendendosen. Danke!

Weitere Informationen zur Gründung und Geschichte von Amnesty International finden Sie im Artikel „Wie alles begann„.

Die folgenden Impressionen wurden uns freundlicherweise von Andreas Horn zur Verfügung gestellt:
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Politischer Gefangener: Johan Teterissa, Indonesien

Bereits mehrfach hat sich unsere Gruppe mit Appellen an die indonesischen Behörden für die Freilassung von Johan Teterissa eingesetzt- bisher vergebens. Aber gemeinsam mit anderen Gruppen lassen wir nicht locker.

Fallinformation

Der Lehrer Johan Teterissa wurde im April 2008 zu einer 15jährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er einen friedlichen Protest vor dem Staatspräsidenten Susilo Bambang Yudhoyono, währenddessen die Unabhängigkeitsflagge der Molukken gehisst wurde, durchführte.

Von den anderen 21 Protestierenden wurden 20 zu Gefängnisstrafen zwischen sieben und 20 Jahren verurteilt. Seit 2007 wurden mindesten 48 Menschen beim Hissen der Unabhängigkeitsflagge verhaftet und/oder der Rebellion angeklagt.

Am 29. Juni 2007, dem Nationalen Familientag, veranstaltete die Regierung eine Zeremonie in der Stadt Ambon, der Hauptstadt der Molukken an der auch der indonesische Präsident Yudhoyono teilnahm. Während der Zeremonie gingen Johan Teterissa und 21 weitere Aktivisten auf das Feld und führten den traditionellen Cakalele – Kriegstanz vor dem Präsidenten auf. Am Ende erhoben die Tänzer die Benang Raja Flagge, die ein Symbol für die Unabhängigkeit der Molukken ist.

Auf den Molukken mögen die Motivationen für die Verwendung dieser Flagge von einer Befürwortung der Unabhängigkeit der Inselgruppe von Indonesien bis hin zum Ausdruck einer allgemeinen Unzufriedenheit mit der Zentralregierung reichen. Eine Unabhängigkeitsbewegung gibt es nicht.

Die 22 Personen, die überwiegend Lehrer und Bauern sind, wurden von etwa 20 Polizisten und Leibwächtern des Präsidenten von Feld geführt und mit Gewehrkolben geschlagen, sobald sie außer Sichtweite des Präsidenten kamen. Sie wurden auf Lastwagen gebracht und auch dort weiterhin geschlagen.

Aus verlässlichen Quellen weiss Amnesty International, dass die Gruppe in den folgenden 11  Tage von der Provinzpolizei (Polda) zur Distriktpolizei (Polres) und dann zur Mobilen Polizeibrigade (Brimob) transportiert wurden. In der Brimob-Kaserne ist auch die Antiterrorpolizei (Densus-88) stationiert. Sie wurden an allen Orten gefoltert, besonders heftig jedoch durch die Soldaten der Densus-88.

Sie wurden geschlagen, gezwungen ohne Schutz über heißen Asphalt zu kriechen, mit Stromkabeln geschlagen und Billardkugeln wurden in Ihre Münder gepresst. Die Polizei schlug sie auch auf die Ohren und feuerte Kugeln in Gehörnähe ab, so dass einige partiell taub wurden. Ebenso wurden sie auch ins Meer geworfen und mit Waffen bedroht. Die Haft erfolgte ohne Kontakt zur Außenwelt und ohne die Möglichkeit ärztlicher Versorgung.

Am 9. Juli 2007 begann die formelle Befragung durch die Polizei. Während der Aufnahme der Protokolle setzten sich die Misshandlungen und Folterungen fort. Die Verhafteten wurden vom Gefängnis in Tantui zum Gefängnis nach Waiheru gebracht. Einige wurden von der Polizei aufgefordert, schriftlich auf anwaltlichen Beistand zu verzichten. Andere wurden durch von der Polizei benannte Anwälte vertreten, die ihnen empfahlen, auf schuldig zu plädieren und auf ihr Berufungsrecht zu verzichten. 21 Personen erhielten Gefängnisstrafen zwischen sieben und 20 Jahren für Subversion gemäß den Artikeln 106 und 110 des Indonesischen Strafgesetzbuches (Indonesian Criminal Code, KUHAP). Am 4. April 2008 wurde Johan Teterissa zu lebenslanger Freiheitsstrafe aufgrund seiner führenden Rolle beim Flaggenhissen verurteilt. Drei Monate später wurde die Haftstrafe in der Berufungsverhandlung auf 15 Jahre reduziert.

Im Frühling 2009 wurden viele der Gefangene, darunter auch Johan Teterissa  in Gefängnisse in andere Provinzen verlegt. Johan Tetrissa kam mit einigen anderen aus seiner Grupp in das über 1500 km von seiner Heimat entfernte Gefängnis von Lowokwaru in Ost – Java.

Am 5. Juli 2011 wurde er ohne jede Ankündigung in den frühen Morgenstunden  in das Gefängnis von Madiun das ebenfalls in Ost – Java liegt, verlegt. Amnesty International hat keine Informationen darüber, ob er noch mit irgendjemanden aus seiner Gruppe aus den Molukken zusammen  inhaftiert ist.

Infos auch hier: http://www.amnesty-suedwestpazifik.de/Main/Informationen

Pfad der Menschenrechte in Solingen

Wir wollen einen Pfad der Menschenrechte in Solingen!

Menschenrechte — was heißt das überhaupt? Und wozu ein Pfad? Der Pfad soll helfen, genau das zu verdeutlichen: Was sind Menschenrechte — und was habe ich damit zu tun?

Die Arbeit von Amnesty basiert auf der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte„, die von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 verabschiedet wurde. Die bekanntesten Rechte daraus sind sicher das Recht auf Meinungsfreiheit oder die Pressefreiheit, aber auch das Recht auf Freiheit von Folter oder ein faires Gerichtsverfahren ist darin enthalten. Ebenso das Recht auf Asyl und das Recht auf Bildung. 30 Artikel umfasst die Erklärung insgesamt. Durch ihre Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen erkennen sie die fast 200 Staaten an — auf dem Papier, denn die Wirklichkeit sieht oft anders aus.

In Deutschland ist die Einhaltung der Menschenrechte gesellschaftlich schon weit verankert, aber das konkrete Wissen darum oft nur schwach: In einer Umfrage von 2004 konnten 17 Prozent der Befragten nicht einmal ein Menschenrecht nennen, im Durchschnitt wurden nur 2,8 von 30 Menschenrechten richtig genannt.

Auf dem Menschenrechtspfad sollen ansprechend gestaltete Tafeln an alle 30 Artikel der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ erinnern. OB Norbert Feith und die Jugendhilfe-Werkstatt haben bereits ihre Unterstützung für das Projekt signalisiert. Ein geeigneter Standort wird zu Zeit gesucht.

Menschenrechtspfade gibt es bereits in anderen Städten, z.B. in Bad Mergentheim und Backnang.