Beratung für geflüchtete Frauen

WP_20160708_12_44_34_ProDie Wuppertaler Gruppe von Amnesty International hat jetzt in Kooperation mit der Vereinten Evangelischen Mission in Barmen eine Beratungsstelle für geflüchtete Frauen eröffnet. Freitags von 10-12 Uhr und nach Vereinbarung bieten Maria-Teresa Amarante und ihr Team Beratung in Asylfällen mit frauenspezifischen Fluchtgründen an.

Das Büro befindet sich in den Räumen der Vereinten Evangelischen Mission an der Rudolfstr. 131 in Wuppertal-Barmen. Es ist in der Form einzigartig in Deutschland. Inge Heck-Böckler, Amnesty-Mitglied und Landesbeauftragte für politische Flüchtlinge in NRW, gratulierte Amarante zur Eröffnung: „Diese Idee hätte schon viel früher jemand haben sollen. Ich bin froh, dass die Umsetzung hier so schnell geklappt hat.“

Kontakt: 0152 / 59 92 85 99 und asyl@amnesty-uni-wtal.de

Bericht: diestadtzeitung.de/stadtleben/frauenspezifische-fluechtlingsberatung-eroeffnet-in-barmen

Inge Heck-Böckler (3.v.l.) und Maria-Teresa Amarante mit Vertretern der Vereinten Evangelischen Mission und der Stadt Wuppertal. Fotos: Daniela Tobias
Inge Heck-Böckler (3.v.l.) und Maria-Teresa Amarante (4.v.l.) mit Vertretern der Vereinten Evangelischen Mission und Bürgermeisterin Bettina Brücher. Fotos: Daniela Tobias

Besuch für Johan Teterissa

Jakarta_GlobeEndlich einmal hoffnungsfrohe Nachrichten aus Indonesien! Im Jakarta Globe erschien jetzt ein langer Artikel von Imam Shofwan, dem Vorsitzenden der Pantau Foundation. Seine Stiftung ermöglichte in Zusammenarbeit mit Human Rights Watch Verwandten von politischen Gefangenen ihre Angehörigen in den sonst unerreichbar weit entfernten Gefängnissen zu besuchen. Auch Johan Teterissa, für den wir uns seit mehreren Jahren engagieren, konnte so seine beiden Söhne endlich noch einmal in die Arme schließen.

Im Mai 2015 hatte der neu gewählte Präsident Joko Widodo zwar angekündigt politische Häftlinge bald frei zu lassen, aber bislang wurden tatsächlich nur fünf Gnadengesuche angenommen und Filep Karma per Straferlass vorzeitig entlassen. Johan Teterissa und seine Mithäftlinge lehnen es jedoch ab, ein Gnadengesuch einzureichen, da sie darauf bestehen keine Straftat begangen zu haben, sondern lediglich ihr Recht auf freie Meinungsäußerung in friedlicher Weise wahrgenommen zu haben.

Johan TeterissaWir würden uns freuen, wenn Sie sich an der Aktion „Briefe gegen das Vergessen“ für Johan Teterissa beteiligen würden. Laden Sie dazu die untenstehende Briefvorlage herunter, tragen Sie Ihren Absender im Kopf ein und schicken Sie den Brief per Luftpost (90 Cent) an den indonesischen Minister für Menschenrechte. Vielen Dank!

Briefvorlage:
Brief gegen das Vergessen für Johan (doc)

Jakarta Globe, 26. Juni 2016:
RMS Political Prisoners Reunite With Families After 7-Year Wait

Geburtstags-Botschaft von Amnesty

Liebe Freunde und Unterstützer von Amnesty International,

Amnesty hat heute Geburtstag und ein wichtiges Anliegen, auf das  wir bereits in unserer Ausstellung „Stopp Folter“ hingewiesen haben:

„Sie wurden gefoltert, verfolgt und ihrer Existenz beraubt: Die Flüchtlinge, die nach Europa kommen, haben schreckliche Dinge erlebt, die sie alleine kaum verarbeiten, geschweige denn bewältigen können.

Gemeinsam mit der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) unterstützt Amnesty International die professionelle Behandlung von Flüchtlingen und/oder Folteropfern.

Hierbei geht es um die Aufarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse, damit sie eine Chance auf eine lebenswerte Zukunft haben. Solche Zentren sind über das gesamte Bundesgebiet verteilt und stehen finanziell zumeist auf wackligen Füßen, denn die Ausgaben für medizinisches Personal, Dolmetscherinnen und Dolmetscher und Therapiemittel sind durch die Flüchtlingszahlen enorm angestiegen.

Aus diesem Grund brauchen wir Ihre Hilfe! Ihre Spende leistet einen direkten Beitrag zur Gesundheit und Integration der geflüchteten Menschen!

Anlässlich unseres 55. Geburtstages haben wir uns zum Ziel gesetzt, 55.555 Euro für Traumatisierte und Folteropfer zu sammeln.

Helfen Sie uns, unser Ziel zu erreichen! Spenden Sie jetzt:
www.amnesty.de/spenden

Für Ihre Unterstützung ein großes Dankeschön!

Ihr Oliver Reff

Unterstützerbetreuung“

Wir möchten außerdem die ehrenamtlich und professionell Engagierten in der Flüchtlingshilfe auf ein Web-Projekt der Solinger Psychiaterin Dr. Birgit Kracke hinweisen. Sie hat Informationen zum Lesen und Anhören in verschiedene Sprachen übersetzt, um Helfern und Betroffenen das Erkennen von traumatischen Belastungen zu ermöglichen und eine Art „Erste Hilfe“ anzubieten, solange keine fachärztliche Behandlung möglich ist:
http://www.refugee-trauma.help/

Außerdem gab es heute im „WDR2 Stichtag“ ein Beitrag zur Gründung von Amnesty International vor 55 Jahren:
http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr2/wdr2-stichtag/index.html

Kino: Nairobi Half Life

In Afrika gibt es eine äußerst lebendige Filmkultur,  deren Werke allerdings nur selten den Weg in die Kinos anderer Kontinente finden. Der deutsche Regisseur Tom Tykwer hat deswegen begonnen, sich in Kenia als Produzent zu engagieren und so das Debut von Tosh Gitonga auf den Weg gebracht.

Nairobi_posterMwas lebt in der kenianischen Provinz und verkauft DVDs. Er selber liebt das Schauspielen und ist auch talentiert. Als er in der Hauptstadt Nairobi sein Glück versuchen will, wird er zuerst einmal mit dem Alltag in der Metropole konfrontiert. Der ist nicht einfach, und der Weg auf die Bühne mit einigen Hürden gespickt. Mwas hat eine Idee im Kopf: Er will Schauspieler werden. Mit diesem Traum und seinem Talent zieht er aus dem Dorf nach Nairobi, das nicht umsonst den Übernamen «Nai Robbery» trägt.

Mwas muss viel lernen. Allein kämpft er um seine Chance im Grossstadt-Dschungel, um seine Zukunft. Er landet in einer Gang, behält aber seinen Traum vom Schauspielen immer fest im Blick, beginnt ein gefährliches Doppelleben zwischen Off-Theatertruppe und Raubzügen. «Nairobi Half Life» überrascht. Das ist ein pulsierender Gangsterfilm aus Kenia: lustig, traurig, hart – wie das Leben in Nairobi: Ein authentischer Einblick in Afrikas Grossstädte. David Tosh Gitongas Regiedebüt spiegelt die Erfahrung zahlloser Afrikaner wider, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben vom Land ins raue Klima übervölkerter Städte ziehen. Und er zeigt, wie erfrischend das junge Kino ist.

Als Gesprächspartner für die anschließende Diskussionsrunde mit dem Publikum haben wir Volker Eigemann eingeladen. Er ist Mitglied des Freundeskreises Espace Masolo e. V. Das Zentrum Espace Masolo in Kinshasa, Kongo betreut ehemalige Straßenkinder. Neben Schulbildung und dem Erlernen künstlerischer und kunsthandwerklicher Fähigkeiten wird hier auch die Bewältigung traumatischer Erfahrungen durch Theater, Musik oder Malerei ermöglicht. In den letzten Jahren fanden  Austausch-Begegnungen mit der Brass-Band Belakongo aus Wuppertal statt, die Volker Eigemann zusammen mit zwei Kollegen leitet.

Nairobi Half Life
Spielfilm, Kenia 2012, 96 Minuten, OmU

Dienstag, 10. Mai 2016, 19:00 Uhr
Forum der Bergischen VHS Solingen, Mummstr. 10

Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

Konzert von Belakongo und Fanfare Masolo in Kinshasa. Foto: Volker Eigemann
Konzert von Belakongo und Fanfare Masolo in Kinshasa. Foto: Volker Eigemann

Weitere Infos zur Filmreihe:
Focus Africa – Kino für Menschenrechte 2016

In Kooperation mit dem Afrika-nrw.net, Forum für Soziale Innovation und der Bergischen VHS Solingen.

Perspektiven für Afrika

Mohamed ist schon einmal gescheitert. Sein Versuch, die EU über die Kanarischen Inseln zu erreichen endete in einem Flugzeug nach Bamako. Aber seine Mutter schickte ihren ältesten Sohn wieder los, er muss die Familie unterstützen und in Mali sieht sie keine Chance. Also machte Mohamed sich wieder auf den Weg über Algerien nach Marokko. Die deutsche Filmemacherin Miriam Faßbender begleitete Mohamed und seine Weggefährten mit der Kamera, teilweise filmten sie selbst, wo die Begleitung zu gefährlich wurde. Es waren zermürbend lange Monate, in denen die jungen Männer Geld für die Schlepper verdienen mussten, ständig in Angst vor willkürlicher Abschiebung.

Der Dokumentarfilm „Fremd“ war der erste Beitrag in unserer diesjährigen Reihe „Kino für Menschenrechte — Focus Africa“. Er bewegte die etwa 20 Zuschauer und hinterließ einige Fragen. Warum müssen diese jungen Männer überhaupt ihre afrikanische Heimat verlassen? Wie lassen sich menschenwürdige Perspektiven für sie entwickeln?

Palasie_paper
„Anstöße zur Diskussion — Von Flüchtlingen, anderen MigrantInnen und inkohärenter Politik“ heißt eine Broschüre, die gerade von Serge Palasie beim Eine Welt Netz NRW herausgegeben wurde.

Als Diskussionspartner war an dem Abend Serge Palasie gekommen, Leiter der Fachstelle Flucht, Migration und Entwicklung im Eine Welt Netz NRW. Er lernte Mali während seiner Studienzeit kennen. „Natürlich sind viele Probleme in Afrika hausgemacht, also durch Korruption und mangelhafte Regierungen. Aber selbst wenn das alles einmal funktionieren sollte, sind da immer noch riesige Hürden für die Wirtschaftsentwicklung, an denen auch die EU nicht unschuldig ist.“ Freihandelsabkommen wie TTIP, die derzeit in in Deutschland heiß diskutiert werden, existieren auch zwischen der EU und afrikanischen Staaten, die auf dem freien Markt jedoch nicht annähernd konkurrenzfähig sind.

Aber auch Indien und China haben inzwischen mehr als einen Fuß in der Tür. „Warum fällt es gerade den afrikanischen Staaten so schwer, sich zu behaupten und eigene Perspektiven zu entwickeln?“, kam eine Frage aus dem Publikum. „Ich glaube, ein großer Unterschied liegt in 400 Jahren Sklavenhandel. Das hinterlässt Spuren in einer Gesellschaft und zerstört Vertrauen“, vermutet Serge Palasie.

Geregelte Wege, um in westlichen Ländern zu studieren und zu arbeiten und anschließend das Gelernte bzw. Verdiente wieder in der afrikanischen Heimat zu investieren scheinen kein effektiver Ausweg zu sein. „Die wenigsten gehen zurück, wenn sie sich einmal woanders etabliert haben, denn die Verdienstmöglichkeiten in Afrika bleiben sehr begrenzt“, erzählte Palasie. Ein weiterer zunächst positiv scheinender Aspekt, dass Auswanderer Geld schicken, um zum Beispiel den Schulbesuch von verwandten Kindern zu ermöglichen, kann sich auch ins Gegenteil verkehren. „Es kann so weit gehen, dass sich Arbeit nicht mehr lohnt.“

Einzelne Länder sind inzwischen auf einem guten Weg sich zu entwickeln. „Aber das sind meist kleine, für das große Ganze unbedeutende Länder. Solange große und einwohnerstarke Staaten wie Nigeria und Kongo die Kurve nicht kriegen, bleibt es sehr schwierig in Afrika“, resümierte Palasie.

„Anstöße zur Diskussion — Von Flüchtlingen, anderen MigrantInnen und inkohärenter Politik“ heißt eine Broschüre, die gerade von Serge Palasie beim Eine Welt Netz NRW herausgegeben wurde.

Interview von Serge Palasie mit Inge Heck-Böckler, Amnesty International-Mitglied und Referentin für Flüchtlingsfragen im Bezirk Aachen, Landesbeauftragte in NRW für politische Flüchtlinge und Leiterin der Themenkoordinationsgruppe Antirassismus.